Die kürzeste Nacht des Jahres

69 km, Elberadweg am 21. auf den 22. Juni:

21.6.: Treffen um 21:15 mit Marc und Marco vor der Oper, wilde Fotoaction, vier Bäume bekommen von einem Paar, dessen Sohn bald nach Northeim zieht, um 22 Uhr fahren wir los.

Dresden vor der Abfahrt

Es dämmert, überall sind Leute an der Elbe, einige machen Sommersonnenwendenfeuer. Dresden zieht sich extrem lang von nach Nord-West nach Süd-Ost, wir fahren an vielen Villen und Schlössern vorbei, die Brücken leuchten schön. Es sind viele Radfahrende unterwegs (ohne Licht fahren ist echt scheiße), wir fahren durch warme und kalte Luftlöcher.
Nach Dresden kommt das dunkle Heidenau. Danach Pirna, am Ruderhaus machen wir eine Pause, essen Cookies und Nudeln. Wir verabschieden die beiden, war schön mit ihnen zu fahren.
Wir fahren weiter in die Nacht und ziehen uns warm an, die Frühlingskleidung kommt wieder raus. Wir biegen noch einmal ins Zentrum von Pirna ab und entdecken einen schönen Markplatz. Und treffen Menschen. „Sucht ihr auch noch eine Unterkunft?“ Ein Paar mit Rädern und ohne Gepäck. Wir sehen, wie fertig beide sind. Sie suchen eine Unterkunft um 00:15 Uhr, sie telefoniert mit Janinas Handy, er sitzt schmollend auf einer Bank. Andere kommen mit ins Gespräch, wir überlegen, was die beiden tun können.  Sie kommen aus Meißen und wollten nur einen Tagesausflug machen, haben aber Tickest für irgendeine Aufführung bekommen und dann eine Unterkunft in Prina gebucht, die finden sie aber nicht. Die anderen schicken sie zum Bahnhof, später sehen wir sie immer noch rumgeistern. Wir machen noch eine Fotosession und fahren dann weiter in die nun wirklich dunkle Nacht.

Pirna bei Nacht

Neben uns gehen die Gleise, es fahren viele Züge vorbei. Links und rechts türmen sich die Berge. Auf Janina wirkt es wie zwei schwarze beengende Wände, auf Najo beruhigend. Wir fahren durch einige Orte, es wird hügelig, der Radweg ist gut. Wir schnaufen, was am meisten wohl an der Uhrzeit liegt. Plötzlich stehen wir vor einem Schild: Radweg gesperrt, Lebensgefahr. Wir haben keine Lust die Umleitung zu fahren, die war sehr weit davor und sicher auf der bergigen Landstraß. Wir beschließen, morgen weiterzugucken und legen uns um 02:00 Uhr neben Campingwägen auf einen Stellplatz, mit Blick auf den Fluss unter Bäumen. Wir legen nur unsere Plane und Isomatten hin, decken unsere Schlafsäcke noch mit der Decke zu. Es ist kalt. Najo friert die ganze Nacht, Janinas Schlafsack ist wärmer.

unser Schlafplatz für 3 Stunden (Königstein)

22.06.: Als es hell wird, wachen wir auf, die Vögel zwitschern und es ist nicht so angenehm warm, dass wir liegen bleiben wollen. Wir stehen bibbernd auf und zittern beide heftig, unsere Zähne klappern extrem, wir ziehen schnell wider mehrere Lagen an und packen zusammen, um 05:05 Uhr fahren wir weiter. Auf der Elbe zieht Nebel, ganz leicht kann man den Sonnenaufgang hinter den Bergen erahnen.

Wir sehen einen Fuchs auf dem Weg und einen großen Schwarm Reiher. Der lebensbedrohliche Weg ist zunächst gut befahrbar. Dann kommt eine Baustelle, zu erst ist es noch der alte unfassbar beschissene steinige Weg (viel schlimmer als Kopfsteinpflaster!), bald müssen wir schieben, dann kommen Baufahrzeuge und der Weg ist aufgerissen, wir quetschen uns vorbei.

Im Hellen wirkt das ganze schon nicht mehr ganz so bedrohlich wie in der Nacht zuvor.

Nebelschwaden über der Elbe

Wir sehen viele tote Maulwürfe auf dem Weg. Bei einem Bieber machen wir Halt und beobachten ihn beim ausgiebigen Frühstück.

Bieber beim Frühstück

Wir essen Kirschen und werden von einem Rotmilan begutachtet. Es ist friedlich, still draußen, die Tiere haben diese Zeit für sich und bewegen sich ohne Scheu auf den Wegen. Die Sonne kommt zwischen den Bergen hervor. Nach Schmilka fahren wir mit der Fähre über die Elbe, dort frühstücken wir. Unsere Räder dürfen wir in einem Laden einschließen. Dann wandern wir auf den Großen Winterberg (den entspannten Weg in 1,1/2 Stunden hoch), eine bekloppte Idee bei zwei Stunden Schlaf. Es ist aber ein total schöner Buchenwald. An der Grenze zu Tschechien machen wir Fotos am Grenzstein. Oben auf dem Gipfel gucken wir vom Turm ins Land und laufen zu den Aussichtsklippen. Dort machen wir Pause und schlafen.

Ausblick vom großen Winterberg

Kipphornausblick

Wir fahren gegen 14 Uhr aus Schmilka weg. In Bad Schandau legen wir die Hoffnung in Bioladen und Nationalparkhaus – vergebens. Wir gehen zur Kirche  und dürfen dort schlafen und duschen und kochen! Den Rest des Tages verbringen wir auf dem Sofa. Nachts gewittert es heftig, ein Glück schlafen wir drinnen.

Am nächsten Tag kraxeln wir auf die Bastei und schlafen in einer Boofe. Die Nacht im Wald, mit Feuer und Klettern ist in jedem Fall ein Highlight der Tour.

auf dem Weg hoch zur Bastei

unsere Boofe

Wir ändern unsere Routenplanung kurzfristig, um den heftig bergigen Teil des Erzgebirges in den nächsten Tagen zu umfahren. Es geht also zurück nach Dresden, um dann in den nächsten Tagen Richtung Bayern zu starten: über Chemnitz, Gera, Jena.

1 Kommentar

  1. Das ist ja mal ein informativer, sorgfältig mit Liebe zum Detail geschriebener Artikel. Vielen Dank! 🙂

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